Lean Management: Nutzen Sie Ihr Bauchgefühl strategisch!

Werde nur nicht übermütig! Das kannst du doch nicht! Das ist viel zu teuer! – Was immer wir tun, was immer wir entscheiden, wir sind nicht allein. Unsere inneren Stimmen geben „ihren Senf“ dazu. Das ist oft nicht harmlos. Das Geplapper kann uns ausbremsen, entmutigen, klein halten. Woher kommen diese Stimmen? Und wie können wir die guten stärken und die schlechten entmachten?

Den Artikel können Sie ganz in Psychologie Heute 11/2013 lesen.

Der Kauf eines neuen Autos steht an. Seit längerem schon haben Sie ein ganz bestimmtes Modell im Auge. Das Design gefällt Ihnen ausgesprochen gut, die Automarke ist eingeführt – also auf zum Händler und eine Probefahrt vereinbart. Alles prima, nur als Zweitürer möchten Sie den Wagen nicht, es müsste schon ein Viertürer sein, sonst ist auf der Rückbank zu wenig Raum. „Im Viertürer haben die Mitfahrer auch nicht mehr Platz, das scheint nur so“, klärt der Verkäufer Sie auf. Der Platzmangel: ein Manko. Ein weiteres: der Preis. Sie bekommen für dieses Geld einen weitaus besser ausgestatteten Wagen.

Und jetzt geht es los, das Stimmengewirr in Ihrem Kopf. Da ist der Designfreak, der schon lange begeistert ist von diesem Auto. Sein Argument: „Wann werden denn schon vier Leute in diesem Auto transportiert?“ Nun aber meldet sich der Vernünftige und meint: „Wenn du im Auto sitzt, siehst du das tolle Design gar nicht.“ Die Sparsame stört sich am Preis: „Du zahlst nur das Image.“ Das sind aber nicht die einzigen Stimmen, die auf Sie einschwätzen. Da gibt es noch die Mütterliche, die meint, das Auto habe zu viele PS und sei damit eine potenzielle Gefahr. Und eine andere Stimme, die wohl dem Kritiker in Ihnen gehört, verurteilt Sie als „angeberisch“ und „statussüchtig“. Prompt fühlt sich die Bescheidene angesprochen und glaubt, sich verteidigen zu müssen: „Ich brauche doch kein Statussymbol.“ Und das Kind in Ihnen quengelt vielleicht: „Ich hätte aber Spaß an dem Auto!“ Was also tun, wie sich entscheiden? Die Verwirrung ist perfekt.

Was hier in der fiktiven Situation „Autokauf“ passiert, ist nichts Ungewöhnliches. Wir alle sprechen häufig nicht mit einer Stimme, sondern werden oft durch die unterschiedlichsten Meinungen, die sich aus unserem Inneren melden, verunsichert. Nicht immer ist uns das bewusst – in der Regel laufen diese Prozesse unbemerkt ab, beeinflussen aber unsere Gefühle und oft auch unsere Handlungen. Je nach Situation fühlen wir uns dann hin und her gerissen, suchen nach perfekten Lösungen, wissen nicht, wie wir uns entscheiden sollen oder betrachten uns als unfähig, die Dinge geregelt zu bekommen. Eher selten wissen wir ganz klar, was wir wollen und dass wir schon alles richtig machen werden.

Im Idealfall kennt das Oberhaupt alle Teile, interessiert sich für ihre Meinung, aber macht sie sich nicht zu eigen, sondern versucht, aus der Vielzahl der Stimmen diejenige herauszufiltern, die ihm selbst am meisten entspricht. Das Selbst braucht dazu eine grundsätzliche „Willkommenshaltung“, erklärt Friedemann Schulz von Thun. „Was immer sich in mir regt und rührt, was immer in mir aufkommt, sei mir willkommen als Sendbote eines Geschehens, das auch zu mir gehört, selbst wenn es nur ein Teil von mir ist.“ Ganz besonders sollte das Selbst jene Teile willkommen heißen, die nicht so recht in sein Bild von sich zu passen scheinen. Nur so kann es verhindern, dass diese Teile „eine Untergrundbewegung gründen und eine Machtergreifung der Seele versuchen“, wie Schulz von Thun meint.

Die Autorin Ursula M. Wagner beschreibt, wie diese „Willkommenshaltung“ in der Realität erarbeitet werden kann. Folgende Schritte sind dazu notwendig:

• Zunächst sollte man alle Teammitglieder – auch die unangenehmen – einladen und sie auffordern, ihre Ansichten zu der anstehenden Entscheidung oder einem Problem zu äußern.

• Dann hat das Oberhaupt die Aufgabe, die Teammitglieder zu identifizieren: Wer spricht da? Der Kritiker? Die Sorgenvolle? Der Unbekümmerte? Der Traditionelle? Gibt es auch unterstützende Stimmen?

• Im nächsten Schritt wird das Team strukturiert. Wer vertritt ähnliche Ansichten, welche Meinungen passen zusammen? Auf diese Weise werden die „Unterstützer“, die „Gegner“ oder die „Neutralen“ sichtbar.

• Nun geht es darum, gemeinsam zu handeln und zu entscheiden. Ursula M. Wagner empfiehlt in dieser Phase: „Sprechen Sie über Ihr Ziel mit jeder Figur einzeln, fragen Sie, was passieren müsste, damit die Figur Ihr Vorhaben unterstützt, bringen Sie einzelne Mitglieder miteinander in Dialog.“

Wer so vorgeht, hat am Ende einen guten Eindruck davon, was wirklich in ihm geschieht. Er ist dann den inneren Stimmen nicht mehr ausgeliefert, sondern kann ihren gut gemeinten Rat und ihre Einwände aus einem gewissen Abstand heraus sichten und bewerten.

Im Fall des anstehenden Autokaufs kann am Ende eines solchen, vom Oberhaupt geleiteten Teamdialogs die Entscheidung stehen: „Ich fahr einfach mal ein anderes Modell Probe, das meinem vernünftigen Teil sinnvoller erscheint und den sparsamen beruhigt. Wenn der Fahrspaß gewährleistet ist, wäre das ein guter Kompromiss. Und mein nach Freude suchendes Kind ist dann auch zufrieden.“

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